Ein Dorfzentrum für alle

Es soll etwas Besonderes werden, das Dorfzentrum, aber bitte: Wir sollten die Kirche im Dorf lassen. Das Dorfzentrum sollte etwas sein, womit möglichst viele Milser etwas anfangen können. Warum ich das betone? Ich war beim „Offenen Ideenbüro“. Dort konnten Milser Bürger ihre Vorschläge für die Nutzung des Dorfzentrums einbringen.

City Gardening war eine der Ideen, die da gebracht wurden. Ganz ehrlich: Das mag zwar toll sein in Megacities wie New York, wo ein Fleckchen, wo man etwas anpflanzen kann, Mangelware ist. Aber wir sind in Mils, in einem Dorf. Wir müssen kein Gemüse am Dorfplatz anbauen. Oder Co-Working-Räume, ein Trend aus den USA, bei uns hieß das früher Bürogemeinschaft. Was haben Arbeiter, Angestellte, Mütter, Kinder, ältere Menschen davon?

Es ist wichtig, dass wir Bürger mitreden und mitgestalten können. Beim „Offenen Ideenbüro“ wurden auch viele Ideen eingebracht. Trotzdem darf man nicht auf die Bedürfnisse der Bürger vergessen, die nicht dort waren. Das Dorfzentrum muss für alle „besonders“ sein, nicht nur für eine (akademische) Elite. Von einer Arztpraxis beispielsweise, einem netten Café, einer Bäckerei, von ganz „normalen“ Einrichtungen hätten alle etwas. Und so muss es auch sein: Es ist das Geld aller Milser, das ins Dorfzentrum fließt. Also haben wir als Gemeinde die Verpflichtung darauf zu schauen, dass die repräsentative Mehrheit nicht zu kurz kommt und dass wir nicht nur die Wünsche weniger verwirklichen.

Wir sollten auch beim Architektur-Wettbewerb die Kirche im Dorf lassen. Zum einen gilt das für die Kosten. Das Projekt sollte ohne finanzielle Klimmzüge finanzierbar sein. Das ist das allerwichtigste. Zum anderen geht es mir um das Gebäude selbst: Mils ist nicht Berlin, Wien oder Dubai. Wir sind kein Architektur-Sandkasten. Mils ist ein schönes Dorf, aber ein Dorf. Daran ist absolut nichts Schlechtes, im Gegenteil, viele Städter würden sich freuen, hier zu leben. Und ich würde mich freuen, wenn das Siegerprojekt genau zu diesem dörflichen Charakter unserer Gemeinde passt. Ich persönlich brauche jedenfalls keine weitere „Betonschachtel“ – und das mitten im Zentrum. Der „Betonklotz in Grün“, der reicht mir. Ganz „normal“ kann nämlich auch besonders sein – besonders gut. Das gilt für beides: Gebäude und Nutzung.